Erstellt von Ole

Künstliche Intelligenz in der Wärmepumpenplanung

Vom statischen Heizkurvenregler zum lernenden System


Früher

Planung nach Norm, Betrieb nach festen Parametern

Wer eine Wärmepumpe geplant hat, kennt das Spielfeld: Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, Auslegung, Heizkurve einstellen, Inbetriebnahme — fertig. Das System läuft dann oft mit den Parametern, die bei der Installation festgelegt wurden. Anpassungen an veränderte Randbedingungen erfolgen in der Praxis häufig erst dann, wenn Beschwerden, Mehrverbrauch oder Komfortprobleme auftreten.

Das strukturelle Problem dabei: Normative Berechnungen orientieren sich an definierten Auslegungsbedingungen, die im realen Betrieb nur einen kleinen Teil des Jahres abbilden. Gleichzeitig verändern Nutzerverhalten, Wetter, solare Gewinne und bauliche Änderungen den tatsächlichen Wärmebedarf laufend. Dadurch entsteht oft eine Lücke zwischen rechnerischer Auslegung und realem Anlagenverhalten.

Heute

Die Anlage lernt das Gebäude besser kennen

Genau hier setzt Künstliche Intelligenz an. Sie hält zunehmend Einzug in die Wärmepumpenregelung und in datenbasierte Planungswerkzeuge.

Adaptive Regelung statt fixer Heizkurve

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat im Projekt AI4HP gezeigt, wohin die Entwicklung geht. In dem deutsch-französischen Forschungsprojekt mit Partnern wie Stiebel Eltron wurde ein künstliches neuronales Netz eingesetzt, das die Vorlauftemperatur auf Basis von Zeitreihendaten regelt (Quelle 1, Quelle 2).

Berücksichtigt werden dabei unter anderem Wetterdaten, Gebäudeverhalten und wiederkehrende Nutzungsmuster. Das Ziel ist kein einmaliger Abgleich, sondern eine Regelung, die sich fortlaufend an das tatsächliche thermische Verhalten des Gebäudes anpasst (Quelle 2, Quelle 3).

Ergebnisse aus Simulationen und ersten Feldtests:

  • 5 bis 13 Prozent Energieeinsparung gegenüber einer standardmäßig eingestellten Heizkurve (Quelle 2, Quelle 3).

  • Im ersten Feldtest wurde eine COP-Steigerung von 25 Prozent beobachtet (Quelle 4).

  • Die mittlere Abweichung von der Solltemperatur wurde um mehr als die Hälfte reduziert (Quelle 4).

  • Stabile, gebäudeoptimierte Regelparameter waren bereits nach wenigen Tagen erreichbar (Quelle 4).

Wichtig ist die Einordnung: Der Feldtest mit der 25-Prozent-COP-Steigerung war ein frühes Ergebnis in einem einzelnen Gebäude über einen kurzen Zeitraum. Das Fraunhofer ISE weist selbst darauf hin, dass längere Feldtests und weitere Gebäudetypen notwendig sind, bevor sich diese Größenordnung verallgemeinern lässt (Quelle 4).

Ole im Einsatz

Planung mit empirischen Betriebsdaten

Auch auf der Planungsseite verändert sich der Ansatz. Statt ausschließlich mit normativen Standardannahmen zu arbeiten, nutzen moderne Systeme zunehmend reale Betriebsdaten aus vielen installierten Anlagen.

thermondo etwa beschreibt seine Wärmepumpen-KI als System, das auf Daten aus mehr als 45.000 installierten Anlagen basiert. Daraus wird für das jeweilige Gebäude ein digitaler Zwilling abgeleitet, der Wetterprognosen und Verbrauchsverhalten in die Heizstrategie einbezieht (Quelle 5, Quelle 6).

Foto: KI Darstellung des digitalen Zwillings

Der digitale Zwilling als Werkzeug

Der digitale Zwilling ist dabei mehr als ein Schlagwort. Gemeint ist eine dynamische virtuelle Repräsentation von Gebäude und Heizsystem, die mit laufenden Mess- und Betriebsdaten abgeglichen wird. Dadurch lassen sich Strategien für den späteren Betrieb besser vorbereiten, testen und an das reale Verhalten des Gebäudes annähern (Quelle 6, Quelle 3).

In der Praxis bedeutet das: Die Optimierung beginnt nicht erst Wochen nach der Inbetriebnahme, sondern kann bereits in der Auslegung und beim Start des Systems unterstützt werden. Das ersetzt keine saubere Fachplanung, verbessert aber die Chance, schneller einen effizienten Betriebspunkt zu erreichen.

Foto: KI Darstellung einer intelligenten Kopplung verschiedener Geräte mit dem dynamischen Stromtarif

KI, PV und dynamische Tarife

Ein weiteres Einsatzfeld ist die intelligente Kopplung von Wärmepumpe, Photovoltaik, Batteriespeicher und dynamischen Stromtarifen. Klassische Lösungen arbeiten hier oft nur mit einfachen Freigabesignalen wie SG Ready. KI-gestützte Systeme gehen deutlich weiter und beziehen Wetterprognosen, Strompreise und Gebäudeträgheit in die Regelung ein (Quelle 6, Quelle 7).

Bei thermondo werden laut Unternehmensangaben Wetterprognosen bis zu drei Tage im Voraus einbezogen (Quelle 6). Studien und Praxisberichte zeigen außerdem, dass modellprädiktive Regelungssysteme in solchen Konstellationen deutliche Kostenvorteile erzielen können — nicht nur durch geringeren Verbrauch, sondern vor allem durch zeitlich optimierten Betrieb bei günstigen Strompreisen (Quelle 8, Quelle 7).

Formulierungen wie „bis zu 40 Prozent Kosteneinsparung“ sollten deshalb immer als anwendungsabhängige Obergrenze verstanden werden. Sie hängen stark davon ab, wie gut Gebäude, Tarifmodell, Speicherfähigkeit und Regelstrategie zusammenpassen (Quelle 8, Quelle 7).

Flexibilität und Lastverschiebung

Wie groß das Potenzial intelligenter Wärmepumpensteuerung für das Stromsystem ist, zeigen auch Forschungsarbeiten aus Großbritannien. Im LATENT-Umfeld der University of Southampton wird beschrieben, dass smarte Wärmepumpen ihre Last in Spitzenzeiten stark reduzieren können, ohne dass Bewohner zwingend Komfortverluste bemerken (Quelle 9, Quelle 10).

Die oft zitierte Lastreduktion von bis zu 90 Prozent ist deshalb als technisch erreichbarer Spitzenwert unter bestimmten Bedingungen zu lesen, nicht als pauschaler Alltagswert für jede Anlage (Quelle 9).

KI als Frühwarnsystem

Ein besonders reifer Bereich ist die automatische Fehlerdiagnose in der Gebäudetechnik. Ein Überblicksbeitrag auf HEAT PUMPS WATCH mit Verweis auf systematische Auswertungen beschreibt die Fehlerdiagnose als einen der technologisch am weitesten entwickelten KI-Anwendungsfälle in HVAC-Systemen (Quelle 8).

Genannt werden dort Genauigkeiten von über 97 Prozent bei bestimmten Deep-Learning-Verfahren für die Fehlererkennung sowie Trefferquoten von über 95 Prozent bei der Erkennung von Kältemittelleckagen. Solche Werte zeigen das Potenzial, sollten aber stets im Kontext der jeweiligen Datengrundlage und des untersuchten Anlagentyps gelesen werden (Quelle 8).

So überzeugend die Fortschritte klingen, die Technik bleibt anspruchsvoll:

  • Die Modellgüte ist entscheidend. Schlechte Eingangsdaten oder unpassende Modelle können die Regelung auch verschlechtern (Quelle 3, Quelle 2).

  • Ergebnisse aus Pilotprojekten lassen sich nicht automatisch auf jeden Gebäudetyp übertragen (Quelle 4, Quelle 3).

  • Hersteller, Fachbetriebe und Kunden akzeptieren KI-Lösungen nur dann dauerhaft, wenn sie robust, nachvollziehbar und betriebssicher sind (Quelle 3, Quelle 1).

Was du heute schon mit Ole erledigen kannst

KI in der Wärmepumpenplanung klingt für viele noch nach Zukunft. Für den Arbeitsalltag im Fachhandwerk gilt aber: Ein digitaler Fachkollege, der Informationen schnell bündelt und im Kontext nutzbar macht, ist bereits heute hilfreich.

Technische Dokumentation

Bedienungsanleitungen, Serviceunterlagen, Ersatzteillisten und Herstellerhinweise lassen sich gezielt nach konkreten Fragen durchsuchen, statt komplette PDFs manuell zu wälzen.

Wartung und Inspektion

Ole ruft den Wartungsplan für die jeweilige Anlage auf, strukturiert die Prüfschritte und unterstützt bei der nachvollziehbaren Abarbeitung.

Ersatzteilsuche

Hersteller, Bezeichnung oder Artikelnummer nennen — Ole unterstützt bei der Suche nach passenden Produktdaten und Handelsinformationen.

Hersteller-Support

Wenn der direkte Kontakt zum Hersteller nötig ist, stellt Ole die passenden Supportinformationen bereit.

Störcodes und Fehlerdiagnose

Wärmepumpe zeigt einen Fehlercode — Hersteller und Modell nennen, Ole sucht die passende Maschine in der Datenbasis, liefert den spezifischen Fehlercode mit typischen Ursachen und konkreten Lösungsschritten.

Fachliche Normen und Regelwerke

Ob Heizlast, hydraulischer Abgleich, COP-Bewertung oder Auslegungsfragen: Ole hilft dabei, Fachwissen schneller zugänglich zu machen und technische Grundlagen sauber einzuordnen.

Kurz gesagt: Ole ersetzt kein Fachwissen auf der Baustelle oder im Büro. Aber er kann helfen, Informationen schneller zu finden, sauberer zu strukturieren und im Tagesgeschäft nutzbar zu machen.

Fazit

Was KI konkret verändert

KI macht die Wärmepumpe nicht zu einem anderen Gerät — aber zu einem intelligenter geregelten System. Für das Fachhandwerk bedeutet das: Gute Planung, saubere Daten, korrektes Einmessen und ein solides Systemverständnis werden noch wichtiger. Denn genau darauf baut jede sinnvolle KI-Optimierung auf.

Bereich Früher Heute mit KI
Heizkurvenregelung Statisch oder manuell nachgestellt Adaptiv, datenbasiert und lernfähig
Kalibrierung Zeitaufwendig vor Ort Teilweise automatisiert und schneller anpassbar
Planung Vor allem normative Annahmen Ergänzt um empirische Betriebsdaten und digitale Zwillinge
PV-Integration Einfache Freigabelogik Vorausschauende Optimierung mit Prognosen
Fehlerdiagnose Reaktiv nach Störung Zunehmend präventiv und datenbasiert
Einsparpotenzial Stark vom manuellen Betrieb abhängig Zusätzliche Effizienz- und Kostenvorteile je nach Anwendung

Quellen

Genau hier setzt Künstliche Intelligenz an. Sie hält zunehmend Einzug in die Wärmepumpenregelung und in datenbasierte Planungswerkzeuge.

  • Fraunhofer ISE: AI4HP – Künstliche Intelligenz für Wärmepumpen
    https://www.ise.fraunhofer.de/de/forschungsprojekte/ai4hp.html
  • Fraunhofer ISE: KI-gesteuerte Wärmepumpen steigern die Effizienz
    https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2024/ki-gesteuerte-waermepumpen-steigern-die-effizienz.html
  • Fraunhofer ISE: AI-Controlled Heat Pumps Increase Efficiency
    https://www.ise.fraunhofer.de/en/press-media/press-releases/2024/ai-controlled-heat-pumps-increase-efficiency.html
  • Fraunhofer ISE PDF: Press Release AI4HP
    https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/presseinformationen/2024/2924_Fraunhofer_ISE_en_PI_AI4HP.pdf
  • thermondo: Neue Wärmepumpen-KI von thermondo
    https://www.thermondo.de/unternehmen/presse/pressemitteilungen/thermondo-erweitert-angebot-um-waermepumpen-ki/
    energie-experten.org: KI für Wärmepumpen – thermondo intelligence setzt auf digitalen Zwilling
    https://www.energie-experten.org/news/ki-fuer-waermepumpen-thermondo-intelligence-setzt-auf-digitalen-zwilling
  • pv magazine: Nur 30 Euro effektive Stromkosten
    https://www.pv-magazine.de/2026/01/20/nur-30-euro-effektive-stromkosten-wie-ki-gestuetzte-flexibilisierung-die-energiekosten-von-waermepumpen-senkt/
  • HEAT PUMPS WATCH: Künstliche Intelligenz + Wärmepumpe
    https://heatpumpswatch.org/de/waermepumpen-und-ki-ein-traumpaar/
  • University of Southampton: Smart heat pumps could take pressure off grid
    https://www.southampton.ac.uk/news/2025/10/smart-heat-pumps-could-take-pressure-off-grid.page
  • University of Southampton: LATENT Field Trial
    https://energy.soton.ac.uk/latent-residential-heat-as-an-energy-system-service-field-trial/

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